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Warum Altes nicht altmodisch sein muss: Altes mit neuen Augen sehen

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 —  Story
  • Chhail Khalsa
    Chhail Khalsa
    Anuvad

Mitten in der technologischen Revolution sind neue, schlanke, glänzende, metallene Gagdets das Versprechen für ein besseres Leben. Ein besseres Leben für uns als Verbraucher. Die Frage bleibt jedoch, was ist mit den Menschen, die sich diese Geräte nicht leisten können? Macht die technologische Revolution soziale Unterschiede kleiner? Oder macht sie nur das Leben der Privilegierten noch privilegierter? Können wir alle zusammen gemeinsam in eine neue Zukunft gehen?

Diese Fragen schwirrten mir im Kopf herum, als ich an der Konzeption meines Projekts "Anuvad" arbeitete. Anuvad ist ein Projekt, das alte, traditionelle Kompetenzen wieder in den Blick nimmt, um die komplexen Probleme von heute zu lösen. Die erste Phase unseres Projekts begann mit einer spannenden Community aus Webern und Weberinnen im westlichen Teil Indiens, in Gujarat, in der Region Kutch. Kutch ist bekannt für seine Vielfalt an Webetechniken und sein reiches kulturelles Erbe verknüpft mit einem einzigartigen Sinn für Ästhetik. In Bhujodi, so der Name des Dorfes, in dem wir arbeiteten, ist das Handwerk der Kutchi-Weberei am ausgeprägtesten vorhanden. Nicht, dass in anderen Dörfern dieser Stil nicht auch praktizier würde, aber Bhujodi ist für diesen Webe-Stil weit herum bekannt. Die Kutchi-Weberei ist im Wesentlichen eine Extraschussweberei. Einfach gesagt, wird beim Weben ein zusätzlicher Faden verwendet, um charakteristische Muster in den Stoff einzuweben, die dadurch leicht geprägt erscheinen. Diese Muster werden normalerweise in hellen Farben gewebt, wodurch sie sehr gut sichtbar sind. 

Das Team Anuvad besteht aus mir als Designforscherin und Konzepterin und einem Technikexperten, der in dieser ersten Phase des Projekts Pranshu Chaudhary war. Ich bin eine begeisterte Kunsthandwerkerin – ich meine, wer liebt das Kunsthandwerk nicht? – für mich ist es eine regelrechte Passion. Als ich beschloss, in die Welt der E-Textilien (elektronische Textilien) einzutreten, beschloss ich, meine Liebe zum Handwerk mitzunehmen, und so wurde Anuvad geboren. Wir beschlossen, mit ein paar Arduinos und leitfähigen Materialien in unserem Koffer auf Feldforschung zu gehen, um zu sehen, ob wir die Art und Weise, wie E-Textilien entworfen und hergestellt werden, neu erfinden könnten.

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Anuvad

Jeder, der diese geschickten Handwerker und Handwerkerinnen bei der Arbeit gesehen hat, weiss, dass sie für diese Arbeit äusserst intelligent und talentiert sein müssen. Um das zu respektieren, habe ich Techniken entwickelt, um mit ihnen gemeinsam E-Textilien zu entwerfen. Durch Co-Creation-Workshops und verschiedene Tools (mehr davon wird in anderen Blog-Beiträgen folgen) haben wir mit ihnen zusammen eine neue Technik zur Erstellung von gewebten Schaltkreisen konzipiert (für dieses wird jetzt auch ein Patent angemeldet). Diese Schaltung ermöglicht es uns, die Technologie und die Verdrahtung, die hinter einem E-Textil liegen, direkt in die Struktur des Stoffes zu integrieren und so nahezu unsichtbar zu machen. Auf diese Weise haben wir eine Reihe verschiedener Ideen erprobt, von denen viele auch von den Handwerkern und Handwerkerinnen in einem der von uns durchgeführten Co-Creation-Workshops vorgeschlagen wurden. Am Ende waren verschiedene Prototypen entstanden, die das Potenzial der Kombination von Handwerk und Technologie zeigen. Wir schufen einige Wärmekissen, die mit einer Powerbank funktionieren: Man schliesst sie ans Stromnetz an und kann sie danach mitnehmen, um draussen einen frischen Herbstabend mit einer heissen Tasse Kaffee zu geniessen. Wir haben auch beheizte Teppiche für alle Jahreszeiten geschaffen. Wenn die Nächte kälter werden, kann man diese einstecken und die Füsse auf einen aus Schafwolle gewebten Teppich legen, der sich wie eine warme Umarmung anfühlt. All diese Produkte befinden sich jetzt in der Weiterentwicklung. Wir arbeiten mit verschiedenen Stromquellen und Batterien, um unsere Produkte noch nachhaltiger und nutzbarer zu machen. Die Unterstützung durch den Creative Hub ist entscheidend, um uns weiter voranzubringen, und dafür sind wir dem Förderverein sehr dankbar.

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